Wenn die Welt plötzlich zu laut wird: Mein Anker in der Zeit der intensiven Sinne
Es gibt diese Momente im Leben, in denen sich alles verändert – und zwar nicht durch große Ereignisse, sondern durch die kleinsten Details.
Für mich war es ein Dienstag-morgen im zweiten Monat meiner Schwangerschaft. Ich liebte den Duft von frisch geröstetem Brot und den würzigen Geruch von Kaffee. Doch plötzlich war da nichts mehr, was ich als „angenehm“ empfinden konnte. Alles war plötzlich zu viel. Ein winziger Hauch von Zwiebeln am Mittag, der Duft eines Parfüms im Vorbeigehen oder der intensive Geruch von Fleisch – alles fühlte sich an wie ein greller aufdringlicher Lichtblitz in einem dunklen Raum. Meine Sinne waren auf Anschlag, hypersensibel und völlig überfordernd.
Mein Frühstückstisch, eigentlich mein liebster Ort, war plötzlich ein Schlachtfeld der Gerüche geworden. Ich suchte verzweifelt nach etwas, das mich nicht attackiert. Ich suchte nach Stille – für meine Nase und meinen Magen.
In dieser Phase der totalen sensorischen Überreizung wurde mein Fokus ganz klein. Es ging nicht mehr um Gourmet-Erlebnisse oder komplexe Aromen. Es ging nur noch um eines: Sicherheit. Ich brauchte Lebensmittel, die „leise“ waren. Die mich nicht mit ihrer Präsenz verunsicherten, sondern mich einfach nur begleiteten.
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich in der Supermarkt-Gasse vor dem Brotregal stand. Nach all den kräftigen, würzigen Käsesorten suchte ich nach einer Ausweichmöglichkeit. Und da fand ich ihn: Filinchen.
Ein kulinarischer Anker
Es war kein großer Aha-Moment, eher ein leises Aufatmen. Dieses Produkt hat eine Eigenschaft, die in meiner Situation wertvolst war: Es ist vollkommen unaufdringlich.
Wo andere Sorten mit intensiven Aromen um Aufmerksamkeit buhlen, ist „Filinchen“ wie ein sanfter, neutraler Hintergrund. Er hat keine aggressive Note, er besitzt keine störenden Gerüche. Er ist einfach da – dezent, rein und absolut unverfälschbar.
Für mich war Frischkäse in jenen Wochen kein bloßes Lebensmittel, sondern ein kulinarischer Anker. Wenn ich ihn auf ein Stück trockenes Knusperbrot streiche, fühlt es sich an, als würde ich meiner sensorischen Überforderung eine Pause gönnen. Er respektiert meine Grenzen. Er fordert nichts von mir, er überfordert mich nicht. Er bietet diese minimale, sanfte Nahrung, die mein Körper in der Zeit der Veränderung braucht, ohne meine Sinne zu erschüttern.
An alle, die gerade in einem „sensorischen Sturm“ stecken:
Falls ihr euch gerade so fühlt wie ich – als wäre die Welt zu intensiv, zu laut und zu intensiv riechend – wisst, dass es okay ist, sich nach der Einfachheit zu sehnen. Ihr müsst nicht kämpfen. Manchmal ist der Weg zurück zu sich selbst über die kleinsten, sanftesten Wege möglich. Sucht euch eure „leisen“ Begleiter. Sie helfen euch, den Boden unter den Füßen wiederzufinden.